scape Landschaftsarchitekten Düsseldorf

Elisabethkirche - Baustelle 2007

Das Ensemble der Elisabethkirche hat eine über die Stadtgrenzen von Marburg hinausgehende Bedeutung: Als Kloster-, Deutschordenskomplex und Wirkungsstätte der Heiligen Elisabeth zieht das Ensemble noch heute Bürger, Wissenschaftler, Pilger und Gäste an. Seiner hohen kunst- und kirchengeschichtlichen Bedeutung und seiner neuen Funktionen als Umfeld der universitären Einrichtungen wird der Stadtraum um die Elisabethkirche momentan jedoch nicht gerecht: Die fehlende Ablesbarkeit des historischen Ensembles und ein Mangel an Zentrumsqualität lassen den Ort beliebig erscheinen. Der vorliegende Entwurf (1. Preis Wettbewerb Umfeldgestaltung Elisabethkirche) will dem Umfeld der Elisabethkirche durch sensible stadtgestalterische Maßnahmen eine neue Identität und Einheit verleihen. Die vorhandenen herausragenden Baudenkmale sollen freigestellt und in ihrer Wirkung gestärkt werden.

Pflasterteppich und Raumkanten

Ausgangspunkt für die Neugestaltung des Stadtraumes Elisabethkirche ist die Ost-Westausrichtung der Kirche: Orthogonal zu dieser Hauptachse wird ein durchgehender Bodenbelag (Sandsteinplatten) ausgerichtet, der sich gleich einem Teppich zwischen Stadt- und Wasserkante aufspannt und dem Ensemble eine neue Einheit verleiht. Die Grundrisse der nicht mehr vorhandenen Kapellen werden auf dem Pflaster markiert, so dass das Elisabethkirchenensemble wieder in seiner Gesamtheit ablesbar wird. Die Raumkanten werden gestärkt: Die historische Einfassungsmauer wird wieder sichtbar gemacht, im Westen soll langfristig anstelle des vorhandenen Cafes ein neues Gebäude (Museum/Gemeindezentrum) den Raum fassen und den Platz zum Wasser hin öffnen.

Portal und Freitreppe

Der Hauptzugang erfolgt über eine großzügige Treppenanlage zur Elisabethstraße. Die Treppe wird gegenüber der heutigen Situation deutlich verbreitert und fußgängerfreundlich ausgebildet (flachere Steigung). Vom Kirchenportal zieht sich ein Pflasterteppich bis in den Gehwegbereich auf der Elisabethstraße hinein.

Firmaneiplatz

Der Firmaneiplatz soll sich zukünftig als großer, zusammenhängender Platz mit klaren Bezug auf die Elisabethkirche, das Deutschhaus und das Backhaus gestaltet werden. Währende der gesamte Platz aufgrund der vorhandenen Höhenverhältnisse in Richtung Schwarzes Wasser abfällt, wird im Zentrum des Platzes eine ebene, leicht eingesenkte Fläche ausgebildet. Die Platzmitte richtet sich an der Stadtkante aus, sie wird zur Deutschhausstraße hin durch Stufen subtil gefasst. Durch die zentrale Fläche wird die Verbindung zwischen dem Elisabethkirchenensemble und der Innenstadt betont und eine Fläche geschaffen, die sich gleichermaßen als Treffpunkt und Veranstaltungsraum anbietet.

Kirchhof

Im Gegensatz zum Firmaneiplatz erhebt sich im „Kirchhof“ ein Rasenpodest in Richtung Wasserkante. Es orientiert sich in seiner Ausrichtung an der Gartenfassade das Deutschordenshauses. Den nördliche Abschluss des Podestes bildet eine großzügige Sitzbank. Langfristig soll durch einen Holzsteg ein attraktiver Zugang zum Wasser hin geschaffen werden. Die vorhandenen Bäume werden erhalten und in den Entwurf integriert. Im Frühling bringen flächig gepflanzte Zwiebelpflanzen (Blausternchen) das Rasenpodest zum Leuchten.

Durch die Neugestaltung des Umfeldes der Elisabethkirche entsteht an historischer Stelle ein attraktiver Freiraum, der das einmalige Kulturerbe in seiner vollen Schönheit erfahrbar macht. Die Elisabethkirche wird in ihrer Rolle als Wahrzeichen der Stadt gestärkt. Gleichzeitig entsteht ein großzügiger multifunktionaler Freiraum, der sowohl Treffpunkt und Veranstaltungsort sein kann als auch ein Ort der Ruhe und der Einkehr.

Abbildungen & Text © 2001-2009 scape Landschaftsarchitekten Funk, Lintel, Sachse GbR
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