
Die Gartenstadt Krefeld ist in den 50iger Jahren mit dem Leitbild der Moderne entwickelt worden. Die Schlagwörter Licht, Luft und Sonne wurden in einer durchgrünten und organischen Stadtstruktur umgesetzt, in der das Grundprinzip der Funktionstrennung insbesondere im Erschließungskonzept verfolgt wurde. Entstanden ist ein grünes Stadtquartier, ein „Wohnen im Park“ von außerordentlich hoher Qualität. Zudem wurden bislang nur wenige bauliche Veränderungen vorgenommen so dass, das Leitbild der Architekten und die gebaute Wirklichkeit in vielen Perspektiven bis heute übereinstimmen. Daher gilt es, das Quartier sowohl in seinen räumlichen Qualitäten (Wohnen im Park) als auch in seinem Grundkonzept und dessen architektonischer Umsetzung zu erhalten. Ausgehend von diesem Ansatz versucht der Entwurfansatz im Rahmen der Aufgabe das Grundkonzept weiter zu entwickeln, die hierin enthaltenen Potentiale zu fördern bzw. die Mängel des Konzeptes zu beheben.
Das städtebauliche Leitbild der Moderne „Wohnen im Park“ wurde in der Gartenstadt Krefeld in seiner funktionalen Trennung dogmatisch umgesetzt. In einem grünen Landschaftsteppich wurde eine, davon unabhängige Erschließungsstruktur implementiert. Der grüne Teppich bildet dabei den Hintergrund und die Atmosphäre, und übernimmt lediglich die fußläufige Erschließung des Quartiers. Diese Verbindung bildet das unsichtbare Rückgrat an dem alle relevanten Bereiche angeschlossen sind. Der grüne Landschaftsteppich trägt aber konzeptionell nicht dazu bei die Erschließungs- und Wohnbereiche zu differenzieren. Hierdurch ist ein flächiger, homogener Park entstanden, dem es nicht gelingt unterschiedliche Aufenthaltsbereiche und Atmosphären zu bilden. Die unterschiedliche Wertigkeit und Zentralität der Straßen und Erschließungsräume spiegelt sich nicht in deren Gestaltung wieder. Der Individualverkehr und damit das gesamte Erschließungssystem hat in den letzten 50 Jahren zu Lasten des fußläufigen Verkehrs an Bedeutung zugenommen. Ein Grün- und Freiraumkonzept, das die Fußwege in den Mittelpunkt seiner Gestaltung stellt verkennt die Bedeutung der übrigen Erschließungsstrukturen. Bei allem Respekt vor der Ursprungskonzeption sollte ein künftiges Gesamtkonzept die formale Trennung zwischen den Freiraumstrukturen und der Erschließungsstruktur aufheben und die Grünstruktur vielmehr auch dazu nutzen in den „Erschließungsbereichen“ unterschiedliche Räume und Atmosphären auszubilden.
Das Konzept sieht daher vor, dem Straßenzug der Traarer Straße zunächst eine neue, durchgehende Gestaltung und Atmosphäre zu geben. Der Straßenzug soll in Zukunft als neues Rückgrat der Gartenstadt und Grüne Promenade ablesbar sein. Darüber hinaus durchschneidet die Traarer Straße in ihrem Verlauf unterschiedliche Bereiche. Die jeweiligen Bereiche differenzieren sich in ihrer Funktion und Lage. Neben den Eingangsbereichen sind dies insbesondere die soziale Mitte, die grüne Mitte und der Einkaufsbereich der Gartenstadt. Das Konzept sieht vor, durch die Verwendung einer einheitlichen Formen- und Materialsprache und die Entwicklung einer „Mauer- und Möbelfamilie“ eine Wiedererkennbarkeit der zentralen Ortein der Gartenstadt zu schaffen. Gleichzeitig soll in jedem dieser Bereiche die Individualität der Plätze herausgearbeitet werden, um ihnen eine entsprechend differenzierte und eigenständige Qualität und Atmosphäre zu geben. Die benutzten Gestaltungselemente entwickeln sich aus den Prinzipien und der Entwurfshaltung der Gartenstadtidee. Die Verfasser wollen es bewusst vermeiden, historische Elemente der Nachkriegs-Moderne zu reproduzieren oder das Leitbild der Gartenstadt zu „urbanisieren“. Stattdessen wird eine eigenständige, modulare Formensprache entwickelt. Der Platz wird dabei zur Terrasse, die Haupterschließungsstraße zur Promenade, Bänke, Hecken und Mauern zu markanten Elementen der zentralen Orte.
Der Insterburger Platz bildet zusammen mit Sankt Pius die soziale Mitte des Stadtteils Gartenstadt. Das Verhältnis von steinerner Fläche zu Grünfläche wird von den Verfassern weitestgehend erhalten, jedoch neu strukturiert. Hinsichtlich der Einsehbarkeit und Wiedererkennbarkeit der Plätze im Straßenverlauf werden die Baumpflanzungen auf der Nordseite der Traarer Straße in diesen Bereichen ausgesetzt. Kirchplatz und Insterburger Platz werden durch einen einheitlichen Belag in Bezug zueinander gesetzt. Während der Insterburger Platz den offenen belebten Bereich darstellt, ist der Kirchplatz als eher abgeschiedener ruhiger Bereich anzusehen, was die Verfasser dazu veranlasste den diesen einseitig abzusenken und somit einen eher introvertierten Raum mit einer Brunnenanlage zu schaffen. Auf dem Insterburger Platz wurde insbesondere wegen der Nutzung als Marktfläche und dem damit verbundenen Anspruch an die Befahrbarkeit, auf eine Höhendifferenzierung innerhalb der Fläche verzichtet. Lediglich die Rasenfläche wird um Sitzstufenhöhe in die Fläche eingetieft. Somit entsteht eine vielseitig nutzbare Fläche, die durch ihre Höhensituation auch dauerhaft als Rasenfläche erhalten werden kann. Die bereits erwähnten Elemente der Mauer- und Möbelfamilie tragen auch hier zur Wiedererkennbarkeit im Stadtbild bei. Die verwendeten Mauerscheiben mit einer Höhe von 1,2m zonieren den Platz und schaffen somit verschiedenste Aufenthaltsqualitäten, die sich entweder zum Park oder zur städtischeren Seite hin orientieren. Durch ihre Höhe stellen die Mauern mit den angegliederten Bankelementen keine Einschränkung in der Einsehbarkeit der Fläche dar, dienen jedoch dem Besucher je nach gewählter Exposition als Rückenlehne und Schutz zur Gebäude- oder Straßenseite hin.
Neben den beiden Eingängen im Osten und Westen stellt der Zentrale Grünzug eine dritte Eingangssituation in den Stadtteil Gartenstadt dar. Der Grünzug, der ursprünglich das Rückgrat der Siedlung bildet wird von der Traarer Straße durchschnitten und ist in seinem momentanen Erscheinungsbild nicht als durchgehendes Element erfahrbar. Ziel ist es diese Grüne Mitte wieder begreifbar und als ein Element erkennbar zu machen. Im Bereich der Straße werden eine Terrasse geschaffen, die auf der Nord- und Südseite als Einstiegspunkt in den Grünzug dienen. Die bestehenden dichten Abpflanzungen werden zu Gunsten einer besseren Einsehbarkeit entfernt. Diese Terrassen werden im Gegensatz zu den eher steinernen Terrassen der beiden anderen Plätze mit einem Belag aus Terraway versehen. Die mit Schirmplatanen bestandenen Bereich laden über großzügige Treppen dazu ein, die Rasenfläche des Grünzugs, die sich an dieser Stelle um etwa 45 cm eintieft, zu betreten. Auf der Ost- als auch Westseite wird der Park durch einen umlaufenden Weg begrenzt. Die undurchsichtige Abpflanzung zur Straßenbahntrasse hin wird von den Verfassern zurückgenommen und durch eine geschnittene Hecke ersetzt. Die Straßenbahnhaltestellen sind durch in den Boden eingelegte Belagsbänder in der Platzfläche markiert. Die Haltestellen sind im Rahmen der Mauer- und Möbelfamilie neu entwickelt und stellen analog zu den Einstiegspunkten im Osten und Westen einen gewissen Wiedererkennungs- und Orientierungswert für den Ankommenden Besucher dar.
Das Einkaufszentrum an der Breslauer Straße ist durch seine stark von der Traarer Straße abgesetzte Lage für den nicht Ortskundigen kaum wahrnehmbar. Jedoch bildet das Einkaufszentrum mit seiner teilüberdachten Passagenanlage der 60er Jahre in Kombination mit dem zur Straße orientierten Edeka die ökonomische Mitte des Stadtteils aus. Die Einkaufszentren sollen im folgenden als Einheit betrachtet werden. Hierzu werden die beiden Gebäude auf einen einheitlichen Platzbelag gestellt, der die Breslauer Straße bis zur Lukaskirche hin überspannt. Die Eingange zu den jeweiligen Passagen orientieren sich zur Breslauer Straße. Durch die Verlagerung des Eingangs zu Edeka an die Westfassade kann eine neue attraktive Passage zwischen den beiden Geschäftskomplexen geschaffen werden. Die zweite, neu entstehende Passage führt in der Verlängerung der Lukaskirche direkt in den Grünzug. In diesem Bereich besteht die Möglichkeit die Ergänzung des bestehenden Gebäudes um einen Anbau mit Glasfassade hin ein zusätzliches Shop in Shop Konzept zu realisieren und so den Einkaufsstandort Breslauer Platz zu stärken. Der heute in diesem Bereich bestehende Parksuchverkehr wird durch die Aufgabe der Parkplätze im Passagenbereich als auch durch die Erschließung der Parkflächen von der Traarer Straße aus vermieden. Durch geschickte Anordnung und Umgliederung der Parkflächen ist im vorliegenden Entwurf keine Reduktion der Parkmöglichkeiten zu erwarten. Um das Geschäftszentrum näher an die Straße heranzuführen und als Einheit erkennbar zu machen wird in Verlängerung der Baukörper mit Mauerscheiben gearbeitet, die senkrecht zur Fahrbahn gestellt werden. Sie dienen zum einen als Orientierungsmarke, zum anderen als Sichtschutz zu den geplanten, beziehungsweise bereits bestehenden Parkflächen. Der Vorbeifahrende nimmt somit die Gesamtkubatur des Komplexes wahr, gewinnt aber bereits im Vorbeifahren einen Einblick in dessen Inneres. Die jeweiligen Eingangssituationen zu den Einkaufspassagen, als auch zur Lukaskirche werden durch Belagsteppiche innerhalb der Platzfläche markiert. Die verwendeten Sitzmöbel und Pflanzelemente sind wiederum Teil der Möbelfamilie und tragen so wiederum zur Wiedererkennbarkeit bei. Als weitere Anregung an den Eigentümer des Gebäudes ist die mögliche Erschließung des Edeka von Süden aus zu verstehen, was eine stärkere Durchlässigkeit des Geschäftskomplexes ermöglichen würde.