scape Landschaftsarchitekten Düsseldorf

Parkanlage Universitätsviertel - Vogelschau

Strategie

Die zentrale Parkanlage im Zentrum des neuen Wohnquartiers „Universitätsviertel“ zwischen Innenstadt, Einkaufszentrum Limbecker Platz und dem Universitätscampus definiert die zukünftige Identität dieses Quartiers. Durch eine eigenständige, aus der Typologie und Historie des Standortes entwickelte, Freiraumgestaltung wird ein markantes Signet für diese neue Identität geschaffen. Die landschaftsarchitektonische Gestaltung löst sich von vorhandenen Parkbildern und definiert eine moderne, einzigartige Gestaltungssprache, die optimal auf den Standort reagiert.

Gestaltungssprache

Innovative Konzepte zur Gestaltung von Parkanlagen haben immer auf die vorherrschende Lebenssituation reagiert. In der Geschichte waren diese Parkanlagen meistens idealisierte Gegenwelten zu den realen Lebensumwelten (z. B. Romantik – Landschaftszerstörung durch die beginnende Industrialisierung – Parkanlagen im Stil des Landschaftsparks als idealisierte arkadische Welten). Im 21. Jahrhundert erleben wir z. B. durch die Gentechnik die Grenzauflösung zwischen Natur und Technik; gleichzeitig werden in der Bionik biologische Konstruktionsprinzipien in den Ingenieurstechniken nachgeahmt. Diese Indifferenz zwischen Natur und Technik bildet die Inspiration zur landschaftsarchitektonischen Gestaltung des Universitätsviertels. Ausgehend von der Geschichte des Segeroth-Viertels als Wohnstandort der kruppschen Gießerei-Arbeiter werden die technischen Rahmenbedingungen der Gusstechnik (Eckradien, Ausbildung von Schrägen und Kreuzungen ohne rechte Winkel, nicht additive Formengebung usw.) zur Entwicklung einer eigenständigen Formensprache genutzt. Diese Formensprache findet sich in allen Parkelementen vom Grundriss bis zu den Details der Möblierung wieder und schafft so die gewünschte signethafte Einzigartigkeit der gesamten Parkanlage.

Raumbildung

Ausgehend von der städtebaulichen Figur sowie der beabsichtigten Funktionszuweisungen wird die nördliche Parkkante als weiche Kante, die die halböffentlichen Hofsituationen mit den öffentlichen Parkräumen verknüpft, definiert; die südliche Parkkante ist dagegen deutlich härter, da sie an die vorhandene Blockrandbebauung grenzt. Der Höhensprung von 60.00 auf 61.00 m wird an der nördlichen Parkkante durch eine Rasenböschung abgefangen. Zur Reduzierung der potentiellen Konflikte zwischen Anwohnern und Parknutzern werden entlang der Ränder untergeordnete Wege ohne Aufenthaltsmöglichenkeiten angeboten, so dass der halböffentliche Charakter hier überwiegt. Die Hauptwegeverbindung sowie die Aufenthalts-, Spiel- und Sportangebote werden entlang einer Promenade in die Mitte der Parkanlage gelegt. Dies hat, neben der verringerten Lärmbelästigung der Anwohner, den grundlegenden Vorteil der Möglichkeit einer zentralen, gut einsehbaren öffentlichen Promenade zwischen dem nördlichen Wasser- und dem südlichen Wiesenpark. Zur Steigerung der räumlichen Attraktivität der Promenade wird diese nicht auf einer Achse durchgeführt, sondern mehrmals aus der Achse versetzt. Im Bereich der Versätze werden als Zielpunkte die Aufenthalts-, Spiel- und Sportorte platziert. Im Schnittpunkt der Promenade mit der Wegeachse Universität-Weberplatz befindet sich eine offene, multifunktionale Veranstaltungsfläche. Die Promende ist durch zahlreiche Querwege mit dem umgebenden Wohnquartieren verknüpft.

Funktionen

Entsprechend der vorhandenen Grundfläche und unter Berücksichtigung der Maxime „Lärm-zu-Lärm“ stellt die Funktionszuweisung einen abnehmenden Lärmpegel vom Berliner zum Viehofer Platz dar. Der Auftakt am Berliner Platz wird durch eine großzügige Gastronomieterrasse und zahlreiche Sitz- und Liegemöglichkeiten unter einem lockeren Hain aus blühenden Ziergehölzen gebildet. Zwischen diesem Hain und der zentralen Veranstaltungsfläche liegt der intensiv nutzbare Parkabschnitt mit seinen Spiel- und Liegewiesen sowie den Promenaden-Orten „Sandspiel“, „Wasserspiel“ und „Sportspiel“. Der daran anschließende Parkabschnitt bis zur Talstraße dient mit seinen Wiesen und Wasserflächen sowie den Promenaden-Orten „Blumenmeer“ und „Insel“ eher der ruhigen Erholung. Im letzten Parkabschnitt bis zum Viehofer Platz werden nur noch Sitzmöglichkeiten angeboten, die im Bereich des Promenaden-Ortes „Internetlounge“ auch zum Arbeiten geeignet sind. In der Gestaltung der einzelnen Promenden-Orte wurde auf eine multifunktionale Nutzbarkeit über das eigentliche Thema hinaus geachtet.

Vegetation

Zur Erreichung einer größtmöglichen Transparenz und gefühlten Sicherheit wurde konsequent auf Strauchpflanzungen verzichtet. Der Charakter der Parkanlage wird durch eine differenzierte Gehölzverwendung herausgearbeitet. Der Hain am Berliner Platz wird aus auffällig blühenden Zierkirschen, -äpfeln und -birnen aufgebaut; die Baumreihen in Ost-West-Richtung bildet der japanische Schnurbaum und die Orte entlang der Promenade werden durch Solitäre (Tulpenbaum, Blauglockenbaum, Flügelnuss) akzentuiert. Alleen und Reihen aus Rot-Ahornen kennzeichnen die Achse Universität-Weberplatz. Die Filterbecken sind mit Sumpfarten wie Schwertlilie und Wasserflächen mit Schwimmpflanzen wie Seerosen bepflanzt. Punktuell sind attraktive Prachtstaudenpflanzungen möglich.

Wassermanagement

Die Wasserflächen werden mit Regenwasser gespeist. Diese Regenwasser stammt von den Dach- und Fußwegeflächen der nördlich der Parkanlage liegenden Baufelder; optional ist auch der Anschluss der südlichen Baufelder mithilfe einer Zisterne und Pumpe möglich. Über offene Wasserrinnen gelangt das Regenwasser im natürlichen Gefälle an die obere Böschungskante. Dort wird es zur Reinigung in Rohrrigolen eingeleitet und über unterirdische Rohrleitungen in das Band der untereinander verbundenen Wasserbecken abgeschlagen. Das Wasser durchströmt die Becken in West-Ost-Richtung. Jeweils im Bereich der zentralen Veranstaltungsfläche und am Viehofer Platz befindet sich eine Installationseinheit mit Absetzbecken und Pumpensumpf. Von dort wird das mittlerweile durch die Nutzung und Art des Gewässers (Flachgewässer; t = max 1.35 m) belastete Wasser zur Reinigung an die Oberfläche der Klärbecken über den Wasserspiegel der Becken gepumpt. Nach Passage des Klärbeckensubstrates tritt das gereinigte Wasser wieder in die Becken über.

Beleuchtung

Unter der Annahme, dass die beiden städtebaulich prägnanten Gebäude am Berliner und Viehofer Platz die nächtliche Landmarkenfunktion für den Park übernehmen können, wurde aufgrund der Nähe zur Wohnbebauung ein zurückhaltendes Beleuchtungskonzept unter Sicherheitsaspekten entwickelt. Analog zur Tagessituation soll die zentrale Promenade auch in der Nacht aus Lärmschutz- und Sicherheitsaspekten die Hauptverkehrsfläche bleiben. Dementsprechend wird sie hell, die seitlichen Wege etwas dunkler, jedoch immer noch verkehrssicher ausgeleuchtet. Dementsprechend sind die Leuchten der Promenade höher und auffälliger als die seitlichen Mastleuchten. Punktuelle Lichtinszenierungen finden sich im Boden der zentralen Veranstaltungsfläche (blaue LED-Bodenleuchtfliesen als Fortsetzung der Wasserbecken) und in den blau glimmenden Fußkanten der Sitzobjekte.

Materialverwendung

Der Einsatz der prägenden Materialen stellt einen harmonischen Gesamteindruck unter Berücksichtigung der ökonomischen Unterhaltung her: Promenade = Asphalt, beige abgesplittet; Promenaden-Orte = Terraway, beige-orange; Einfassungen = hellegraue Granit-Bord- und kantensteine; Sitzmauern und Treppenwangen = Natursteinmauern, Granit, hellgrau; Sitzobjekte = Granitwangen, hellgrau und Holzauflagen

Rheinische Bahn

Der Rad- und Fußweg der Rheinischen Bahn liegt im Kontinuum der nachgenutzten Industrieanlagen. Seine Gestaltung sollte sich in die Gestaltungssprache der ruderalen Industriefolgelandschaften einpassen. Dementsprechend wird der ehemalige Bahnkörper als ruderale Sukzessionsfläche auf unterschiedlichen Schotterkörnungen entwickelt. Parallel zur wassergebundenen Wegetrasse liegen Bänder unterschiedlicher Körnung auf denen sich ruderale Hochstaudenfluren entwickeln. Begleitet wird der Weg durch Robinienreihen. Die aus dem Universitätsviertel kommenden Wegeachsen werden über den Radweg hinaus geführt und enden vor solitären Götterbäumen auf kleinen Plätzen mit Sitzbänken. Diese Plätze sind über Treppen an den Universitätscampus angebunden. Das Stellwerk an der Segerothstraße und der Pylon an der Gladbecker Straße definierten die markanten Auftaktsräume im Bereiche der Universitätsviertels. Fußgängerbrücken in der Gestaltungssprache der Parkanlage stellen die Bezüge her.

Abbildungen & Text © 2001-2009 scape Landschaftsarchitekten Funk, Lintel, Sachse GbR
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